Was ist Samhain? Samhain, das ist der keltische Name für das Fest, das bei uns in Allerseelen und Allerheiligen aufgespaltet wurde und in der Nacht des 31.Oktober bzw. am 1.November gefeiert wird. Es ist das Fest, an dem u.a. die Toten und unsere Vorfahren geehrt werden, an dem der Schleier zwischen dieser und jener Welt besonders dünn ist, so dass man – wenn man dazu bereit ist- mit den Seelen kommunizieren kann…
Welche Örtlichkeit eignet sich für das Feiern der uralten Feste besser als die Natur? Unter freiem Himmel, auf unserer Mutter Erde? Eine windumbrauste Feuerstelle direkt am Albtrauf schien uns wie geschaffen für unsere Feier.
Alle halfen mit beim Aufbauen des Feuerstoßes und der Lichterspirale. Nachdem Ruhe eingekehrt war, vollzogen wir den Gang des Lebens anhand der Spirale nach. Geplant war dabei ursprünglich, den Spiralweg mit kleinen Lichtern zu besetzen, doch das Walten der Natur zwang uns, auf die sturmtauglicheren Fackeln umzusteigen, wofür wir selbst zu deren Entzünden ganz dicht zusammenrücken mussten, um die anfänglich noch zarten Flämmchen vor dem Wind zu schützen. Welch genialer Fingerstreich der Natur, der uns dazu brachte - an diesem Fest der Generationen - die Notwendigkeit des Zusammenrückens, des Miteinanders zu erfahren!
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Nachdem auch die letzte Fackel endlich brannte und wir minutenlang schweigend und gedankenversunken in der Fackelspirale standen, ging es an das Entzünden des Feuers, was wiederum nur mit vereinten Kräften gelingen konnte. Jeder gedachte seiner Ahnen im Stillen und für sich, bevor er seine Wünsche mit einer handvoll Bärlappsporen der Kraft der Flammen übergab. Zur Bekräftigung des Zusammengehörigkeitsgefühls fassten wir uns an den Händen und sprachen gemeinsam folgenden Schwur:
Wir wachsen zusammen, Mann und Weib, Wir wachsen zusammen, ein großer Leib. Wir wachsen zusammen, Ost und West, Wir wachsen zusammen, ehern und fest. Wir wachsen zusammen, Süd und Nord, Wir wachsen zusammen, dem Lichte ein Hort.
…und begrüßten die Stille Zeit mit einem Lied.
Am Ende war ein jeder von uns so ergriffen, dass keiner das Bedürfnis hatte, unsere Runde schnell aufzulösen; weder durch Bewegen, noch durch Sprechen…
Nach langen Gesprächen am Feuer kehrten wir bei den Veranstaltern ein, um bei Speis und Trank den Abend ausklingen zu lassen.
Gedanken zur stillen Zeit, die mit dem 1. November beginnt:
Samhain Jeder kennt es, dieses Gefühl. Das Gefühl, das einfach kaum zu beschreiben ist. Ein Gefühl voller Sehnsucht, voll schöner Traurigkeit, voll trauriger Schönheit. Ein Sehnen, ganz tief in einem. Ein Sehnen nach Licht und Wärme und Geborgenheit, nach Heimlichkeiten und Heimeligkeiten… Vor allem aber ist das Sehnen nicht zu definieren, es ist unbestimmt. Und sobald man es einem anderen Menschen erklären will, es aufschreiben will, ist es plötzlich weg. Da liegt so viel drin in diesem Sehnen. Das Herz will ganz hoch hinauf zu den Sternen, ins Ungewisse, aber gleichzeitig will es in eine warme Höhle, in der nichts Unerwartetes geschehen kann…
Jeder, der seine Sinne noch nicht ganz der Natur verschlossen hat, weiß was gemeint ist. Und er fühlt eine tiefe Verbundenheit mit eben jener, weil ihm bewusst ist, dass das Sehnen, das ihm innewohnt, gleichzeitig auch der Natur innewohnt.
Was ist das für ein Gefühl, für eine Sehnsucht? Es ist der Beginn der Stillen Zeit. Oder das Ahnen, dass diese Stille Zeit nicht mehr allzu fern ist. Es ist ein Hauch von Heiligkeit. Alles ist so nach innen gewandt. Die Pflanzen sprießen und jubilieren nicht, ihre Kraft hat sich ganz klein gemacht und ist zu einem zarten Glimmen geworden. Und der Wind, der um sie her streicht, erzählt Geschichten.
Und auf einmal glauben wir, ganz fest zu wissen, dass alles, was uns umgibt, beseelt ist. Und wir hören die gleichen Geschichten, die der Wind der Natur erzählt. Und auf einmal scheint es uns gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass da unsere Großeltern und Urgroßeltern, alle unsere bekannten und unbekannten Ahnen Geschichten erzählen.
Und genau dieses Gefühl, dieses Sehnen wollen wir feiern. Wir wollen an all die Heimlichkeiten denken, die uns umgeben, an alle, die vor uns gelebt und geliebt haben und an die, die nach uns kommen. Alle wollen wir ehren und allen wollen wir irgendwie auch danken. Und das Versprechen geben, dass wir nie verlernen, zu fühlen und zu lauschen, umsichtig und achtsam zu sein. Wir wollen hören, was man uns erzählen will und uns einreihen in den Kreis der Ahnen, der Brüder und Schwestern und der Natur.
Gerade jetzt, da alles so still ist und lauscht, wollen wir dieses Versprechen, dass wir zusammengehören wollen, erneuern.
von Karoline von Noreea
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