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Besiedlung des Schwarzwaldes

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Betrachtet man die Besiedlungsentwicklung des Schwarzwaldes seit der Zeit des bäuerlichen Neolithikums (ca. 3000 – 1800 v. Chr.), ist festzuhalten, dass dieser im Gegensatz zu dem, den Schwarzwald umgegebenden Altsiedelland, lange Zeit unbewohnt und menschenleer blieb. Das änderte sich auch kaum in Zeiten der Hallstatt- (7./6. Jh. Vor Chr.) und der Latènekultur (5./1. Jh. Vor Chr.). Lediglich wenige Siedlungsspuren, zum Beispiel auf und um den heutigen Schlossberg von Neuenbürg, weisen darauf hin, dass der Schwarzwald in keltischer Zeit nicht gänzlich unberührt blieb, zumindest was dessen Randlagen angeht. Im fünften und vierten Jahrhundert vor Chr. spürten keltische Stämme Brauneisen führende Erzgänge auf und gewannen daraus Eisen. So entstand auf und um den heutigen Neuenbürger Schlossberg im nordöstlichen Schwarzwald ein regelrechtes Gewerbegebiet mit etlichen Schmelzöfen. Unmittelbar vor dem Aufstieg in den Hochschwarzwald bei Kirchzarten lag in der Spätlatènezeit (2./1. Jh. Vor Chr.) ein großes Keltisches Oppidum. Allerdings muss konstatiert werden, dass die Siedlungsspuren gering sind, was darauf schließen lässt, dass keltische Stämme keine dauernden Siedlungen im Schwarzwald errichteten.

Ähnlich verhielten sich auch die Römer, welche den Schwarzwald als Barriere zwischen Rhein und Donau betrachteten, und diese Grenze letztendlich mittels Bau einer Straße zu überwinden gedachten. So durchzog seit dem 7. Jahrzehnt nach der Zeitenwende die erste befestigte Römerstraße den Schwarzwald, von Straßburg über Offenburg, durch das Kinzigtal nach Tuttlingen.
Doch der Schwarzwald blieb auch zu Zeiten römischer Herrschaft unbesiedelt.

Dies sollte im Großen und Ganzen über die alemannische und fränkische Zeit hinweg so bleiben. Ein Grund dafür, dass Alemannen und Franken den Schwarzwald nicht urbar machten, wird darin gesehen, dass sie zahlenmäßig zu schwach waren, um über das Altsiedelland hinaus Neuland zu erschließen. Auch sind es ungünstige naturräumliche Vorraussetzungen (geologische und klimatische Begebenheiten, schlechtere Ackerböden usw.) im Vergleich zum Umland (Gäulandschaften, Oberrheinische Tiefebene) die die Menschen lange Zeit davon abhielten, den Schwarzwald urbar zu machen.

Eine eigentliche Urbarmachung erfolgte erst ab dem ausgehenden 8. Jh. Allerdings fand diese Urbarmachung noch in noch recht geringem Ausmaß statt. Treibende Kraft waren dabei zunächst einzelne Missionsklöster, zunächst bestehend in Form von Mönchszellen, die an den Talausgängen errichtet wurden. Von diesen aus entstanden talaufwärts vereinzelte Siedlungsinseln. Die Mönche und die von ihnen angewiesenen Kolonisten gründeten Hütten, Höfe, Sägen und Mühlen… . Man kann die Klöster (zunächst waren es die Klöster der Benediktiner, dann kamen auch Zisterzienser und Prämonstratenser hinzu) gut und gerne als Rodungs- und Kultivierungszentren beschreiben.

Als Hochphase des Besiedlungsprozesses darf die Zeit zwischen dem 11. und 14. Jh. bezeichnet werden. Begünstigt durch eine Phase der allgemeinen Prosperität in Europa (bessere Kilmabedingungen, technischer Fortschritt…) erfolgte die eigentliche, flächenhafte und systematisch betriebene Durchdringung, Erschließung und Inbesitznahme des Schwarzwaldes; bis in zentrale Lagen des Mittelgebirges drang der Mensch von nun an vor. Allen voran wird den Zisterziensern und den Prämonstratensern nachgesagt, dass sie eine emphatische und effiziente land- und forstwirtschaftliche Aktivität tief in die Täler hinein vom Zaun brachen.
Es waren aber nicht die Klöster alleine, die sich die Urbarmachung des Schwarzwaldes zur Aufgabe gemacht hatten. Auch wäre die den Mönchsorden alleine und aus eigener Kraft nicht gelungen.

Ein zweiter wichtiger Faktor nebst den Klöstern war der Adel, der im Mittelalter mit den Klöstern in enger Partnerschaft stand. Dieser Adel, die militärisch-politische Führungsschicht des Mittelalters, drängte seit dem 11. Jh. in die weitestgehend siedlungsfreien Räumen, um neue Herrschafts- und Einflussbereiche zu sichern. Es waren zunächst die Zähringer, die aus dem Aufteilungskampf zwischen mehreren Hochadelsgeschlechtern um den Schwarzwald siegreich hervorgingen. Die Zähringer herrschten bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1218 über weite Teile des Schwarzwaldes. Die Zeit der Zähringer wird gerne als Zeit der Stadtneugründungen und Intensivierung der Verbindungen zwischen Städten am Schwarzwaldrand und dem Um- und Hinterland im Schwarzwald bezeichnet.
Nach den Zähringern bauten allmählich die Habsburger ihren Machtbereich im Schwarzwald aus. Hinsichtlich der Besiedlungsgeschichte weist die Zeit ab Mitte des 14. Jh. eine diskontinuierliche Entwicklung auf. Teils wurden bestehende Siedlungen aufgeben, andererseits kam es zu nachdrücklich betriebenen Ausbauprojekten (siehe zum Beispiel die Gründung von Freudenstadt 1599). Eine starke Bevölkerungszunahme hat der Schwarzwald dann ab Mitte des 18. Jh. zu verzeichnen. Diese starke Bevölkerungszunahme reicht bis weit in das 19. Jh. hinein. Das Bevölkerungswachstum äußerte sich vor allem durch eine Siedlungsverdichtung in den bereits vorhandenen Dörfern und Kleinstädten, aber auch durch die zunehmende Nutzung abgelegener Flächen.

Mit Beginn der Industrialisierung (letzte Jahrzehnte des 19. Jh.), welche im Schwarzwald aufgrund dessen ökonomischer Ungunstlage recht zögerlich einsetzte, wurde die Durchdringung des Schwarzwaldes intensiviert. Ausbau der Verkehrsnetze und Versorgungsnetze gingen einher mit einem weiteren Bevölkerungswachstum.


weiterführend:


Haubrich Hug und Lange: Das große Buch vom Schwarzwald, Stuttgart 1991.

Harter: Adel und Burge im oberen Kinziggebiet, Freiburg 1992.

Liehl u. Sick (Hrsg.): Der Schwarzwald - Beiträge zur Landeskunde. Bühl/Bach 1980.

Metz: Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald. Heidelberg 1971.

Mohr: Der Schwarzwald. In: Borcherdt (Hrsg.): Geographische Landeskunde von Baden-Württemberg. Band 8, Stuttgart 1993.

Schab: Beiträge zur Siedlungs- und Wirtschaftgeschichte des Schwarzwaldes, Stuttgart 2003.




 

Nachbildung eines Schmelzofens

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